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Volksfeind
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Der Begriff Volksfeind wird benutzt, um die BekÀmpfung politischer Gegner zu rechtfertigen. Im 20. Jahrhundert war er im bolschewistischen Sowjetstaat und im Nationalsozialismus als ideologischer Kampfbegriff verbreitet.
Der Begriff wurde maĂgeblich im Römischen Reich geprĂ€gt, wo spĂ€testens seit 88 v. Chr. immer wieder BĂŒrger zum hostis publicus erklĂ€rt wurden und fortan vogelfrei waren. In der Neuzeit wurde der Ausdruck ennemi du peuple in der Französischen Revolution vielfach verwendet, er diente zur Rechtfertigung der Terrorherrschaft. Nach der MachtĂŒbernahme der Bolschewisten in Russland wurde 1917 das russische Ăquivalent ĐČŃаг ĐœĐ°ŃĐŸĐŽĐ°, transkribiert wrag naroda von Lenin aufgegriffen und anstelle des ursprĂŒnglichen marxistischen Begriffs Klassenfeind genutzt, um Gegner zu brandmarken. WĂ€hrend der SĂ€uberungen Stalins bezeichnete man damit massenweise angebliche KonterrevolutionĂ€re, Diversanten, Saboteure und Spione sowie die Beschuldigten in der sogenannten âĂrzteverschwörungâ. Zur Legalisierung diente der Artikel 58 des Strafgesetzbuches der RSFSR, der auch in anderen Unionsrepubliken sinngemÀà angewendet wurde. Andere totalitĂ€re Regime pflegten ebenfalls ihre jeweiligen Gegner als âVolksfeindeâ oder âStaatsfeindeâ zu stigmatisieren und zu bestrafen.
Contents
âą Bewertung
âą Deutsches Reich
âą Einzelpersonen
âą Jugoslawien
âą Albanien
âą Nordkorea
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Der hostis publicus im Römischen Reich
Der Begriff des Volksfeindes (hostis publicus) stammt aus dem römischen Recht. UrsprĂŒnglich verstand man unter einem Feind (hostis) der Römer nur ein fremdes staatlich organisiertes Gemeinwesen, mit dem ein âgerechter Kriegâ zu fĂŒhren war. Erst in der Krisenzeit der spĂ€ten römischen Republik wurde der Begriff als hostis publicus auch bei inneren Konflikten verwendet. Man ĂŒbertrug ihn nun auf einzelne BĂŒrger, die beschuldigt wurden, sich als Feinde des eigenen Staates und Volkes zu betĂ€tigen. Ihnen wurde zur Last gelegt, Gesetze zu missachten, einen Umsturz zu planen und die republikanische Staatsform durch eine Tyrannis ersetzen zu wollen. Daher sollten sie nach der Meinung ihrer Gegner als Volksfeinde gelten und im Falle des Notstands wie Ă€uĂere Landesfeinde ohne Gerichtsurteil getötet werden, damit der Staat gerettet werden könne. Diese Forderung widersprach allerdings dem Rechtsgrundsatz, dass ein BĂŒrger, der politischer Verbrechen beschuldigt wurde, nur nach einem Schuldspruch in einem ordentlichen Gerichtsverfahren getötet werden durfte.cite-ref-1[1]
Ein VorlĂ€ufer war der Fall des Volkstribunen Tiberius Sempronius Gracchus, der 133 v. Chr. mit seinen AnhĂ€ngern ohne Rechtsgrundlage von Gegnern erschlagen wurde, nachdem der zustĂ€ndige Konsul ein ungesetzliches Einschreiten gegen ihn abgelehnt hatte. Die Tat wurde mit einem Notstand begrĂŒndet, den der Volkstribun verschuldet habe. Sein Verhalten wurde als Hochverrat betrachtet. Daraus wurde ein (umstrittenes) Recht der Senatoren auf Gewaltanwendung abgeleitet, doch eine förmliche ErklĂ€rung zum hostis publicus gab es in diesem Fall noch nicht.cite-ref-2[2]
Eine Ă€hnliche Lage trat 121 v. Chr. ein, nachdem es zwischen den AnhĂ€ngern des ehemaligen Volkstribunen Gaius Sempronius Gracchus und ihren Gegnern zu gewalttĂ€tigen Ausschreitungen gekommen war. Diesmal beschloss der Senat KampfmaĂnahmen gegen die ParteigĂ€nger der gracchischen Seite, die daraufhin als offenkundige AufrĂŒhrer angegriffen, besiegt und getötet wurden. Eine förmliche hostis-ErklĂ€rung war aber anscheinend auch diesmal noch nicht erfolgt.cite-ref-3[3]
Die erste bezeugte förmliche hostis-ErklĂ€rung wurde 88 v. Chr. vom Senat auf Veranlassung Sullas beschlossen. Sullas Widersacher Gaius Marius und elf seiner AnhĂ€nger wurden als Staatsfeinde gebrandmarkt, da sie einen Aufstand entfacht und gegen die rechtmĂ€Ăige Staatsgewalt Krieg gefĂŒhrt hĂ€tten. Als im folgenden Jahr die ParteigĂ€nger des Marius in Rom die Oberhand hatten, sorgten sie ihrerseits dafĂŒr, dass Sulla zum hostis erklĂ€rt wurde. Das Notstandsrecht wurde von der jeweils siegreichen Partei genutzt, um ihrem gewaltsamen Vorgehen eine Rechtsgrundlage zu verschaffen. Fortan wurde es ĂŒblich, eine als AufrĂŒhrer betrachtete Person zum hostis publicus (âStaatsfeindâ) oder hostis populi Romani (âFeind des römischen Volkesâ) zu erklĂ€ren. Dieser Schritt machte aus einem BĂŒrger einen Rechtlosen, der zu töten war.cite-ref-4[4]
In der römischen Kaiserzeit wurden wiederholt Kaiser bei ihrer Entmachtung oder auch postum nach ihrer Tötung vom Senat als Staatsfeinde geĂ€chtet. Damit war die Annullierung ihrer VerfĂŒgungen verbunden. Den ersten Versuch einer postumen hostis-ErklĂ€rung unternahm der Senat nach der Ermordung Caligulas. Einen entsprechenden Senatsbeschluss verhinderte jedoch der neue Kaiser Claudius, der einer Ăberordnung der senatorischen Gewalt ĂŒber die kaiserliche, die daraus abgeleitet werden könnte, vorbeugen wollte. Nero wurde nach seinem Sturz vom Senat zum Staatsfeind erklĂ€rt; damit war ein Todesurteil verbunden. Weitere hostis-ErklĂ€rungen wurden u. a. gegen die Kaiser Otho und Didius Julianus ausgesprochen. Auch der im Senat verhasste Kaiser Hadrian wĂ€re postum als Volksfeind geĂ€chtet worden, wenn sein Adoptivsohn und Nachfolger Antoninus Pius dem nicht widersprochen hĂ€tte.cite-ref-6[6] Noch in den BĂŒrgerkriegen der SpĂ€tantike waren hostis-ErklĂ€rungen keine Seltenheit, bekannte FĂ€lle waren im 5. Jahrhundert die GenerĂ€le Stilicho und Heraclianus.
Französische Revolution
Das Gesetz vom 22. Prairial, das am 10. Juni 1794 im Nationalkonvent unter der FederfĂŒhrung von Maximilien de Robespierre, dem AnfĂŒhrer der Jakobiner, angenommen wurde, ermĂ€chtigte das Revolutionstribunal, Volksfeinde zu bestrafen. Als Volksfeinde galten insbesondere Personen des Ancien RĂ©gime, die âentweder mit Gewalt oder mit Listâ die WiedereinfĂŒhrung der Monarchie anstrebten, oder denen Bestrebungen gegen den Nationalkonvent zur Last gelegt wurden. Als einzige Urteilsmöglichkeit war die Todesstrafe vorgesehen (Art. 7). Jeder BĂŒrger wurde zur Denunziation angehalten (Art. 9). Wer der Verschwörung angeklagt wurde, hatte kein Anrecht auf Verteidigung (Art. 16).
Bolschewistischer Sowjetstaat
MachtĂŒbernahme und Russischer BĂŒrgerkrieg
Lenin hielt den Radikalismus der Jakobiner wĂ€hrend der Schreckensherrschaft fĂŒr vorbildlich und schrieb 1917, die Bolschewiki mĂŒssten als die ,Jakobinerâ des 20. Jahrhunderts etwas âGroĂes, UnvergĂ€ngliches und Unvergessliches vollbringenâ.cite-ref-7[7]
WĂ€hrend der Oktoberrevolution bezeichnete der Rat der Volkskommissare unter dem Vorsitz Lenins in einem Aufruf An die ganze Bevölkerung âImperialistenâ, âGutsbesitzerâ, âBankiersâ und âihre VerbĂŒndetenâ, die âKosakengenerĂ€leâ, als âVolksfeindeâ. Kurz darauf erlieĂ der Rat der Volkskommissare am 28. Novemberjul. / 11. Dezember 1917greg. ein Dekret, in dem die liberal orientierte Partei der Kadetten als âPartei der Volksfeindeâ gebrandmarkt und gleichzeitig die Verhaftung ihrer FĂŒhrer angeordnet wurde.cite-ref-8[8]
Der Begriff âVolksfeindâ erscheint auch im Artikel 131 der sowjetischen Verfassung von 1936.
Der GroĂe Terror
Jeschow war als Leiter des NKWD fĂŒr die Durchsetzung des von Stalin angeordneten GroĂen Terrors verantwortlich. WĂ€hrend der zweiten Moskauer Schauprozesse vom 23. bis zum 30. Januar 1937 veröffentlichten sowjetische Zeitungen eine Propagandakampagne zur Steigerung des Massenenthusiasmus und des Hasses gegenĂŒber den âVolksfeindenâ. Kurz darauf wurde die Sippenhaft fĂŒr âVolksfeindeâ eingefĂŒhrt. Am 5. Juli 1937 erfolgte ein Beschluss des PolitbĂŒros, wonach âalle Ehefrauen ĂŒberfĂŒhrter VaterlandsverrĂ€ter, trotzkistischer Spione, der Inhaftierung in einem Lager fĂŒr die Dauer von mindestens fĂŒnf bis acht Jahren unterliegenâ und deren Kinder in Kinderheimen und geschlossenen Internaten unterzubringen waren.cite-ref-9[9] Jeschow wurde am 10. April 1939 selbst als besonders gefĂ€hrlicher Volksfeind verhaftet und am 4. Februar 1940 hingerichtet.cite-ref-10[10]
Kulakenoperation: Auf der Grundlage des NKWD-Befehls Nr. 00447 vom 30. Juli 1937, auch âKulakenoperationâ genannt, wurden von August 1937 bis November 1938 insgesamt 800.000 bis 820.000 Personen als Kulaken verhaftet, davon mindestens 350.000 â eventuell bis zu 445.000 â erschossen, die ĂŒbrigen in Lager des Gulag eingewiesen.cite-ref-11[11] Noch vor der âKulakenoperationâ, am 25. Juli 1937, wurde der geheime NKWD-Befehl Nr. 00439 in Kraft gesetzt.
Deutsche Operation: Die sogenannte âDeutsche Operationâ richtete sich gegen SowjetbĂŒrger deutscher Abstammung, deutsche Spezialisten, die Anfang der 1930er Jahre in die Sowjetunion gekommen waren, um beim sozialistischen Aufbau zu helfen, Emigranten aus Deutschland â auch Mitglieder der Kommunistischen Partei Deutschlands â sowie jeden, der berufliche oder persönliche Beziehungen zu Deutschland oder Deutschen unterhielt. Infolge dieses NKWD-Befehls wurden 55.005 Personen verhaftet, 41.898 von ihnen wurden erschossen, 13.107 zu Lagerhaft von fĂŒnf bis zu zehn Jahren verurteilt.
Polnische Operation: Aufgrund des NKWD-Befehls Nr. 00485 vom 11. August 1937, auch âPolnische Operationâ genannt, wurden 143.810 SowjetbĂŒrger polnischer Abstammung oder mit polnisch klingenden Namen oder mit Arbeitskontakten oder privaten Verbindungen nach Polen verhaftet. 139.885 von ihnen wurden verurteilt, 111.091 erschossen.
Japanische Operation: Am 20. September 1937 folgte der NKWD-Befehl Nr. 00593 gegen Personen im Zusammenhang mit angeblichen terroristischen AktivitĂ€ten sowie mit Spionage- und Sabotageakten, die von Japan initiiert worden seien. Besonders SowjetbĂŒrger aus Harbin, das 1932 von japanischen Truppen besetzt worden war, gerieten pauschal in den Verdacht, fĂŒr den japanischen Geheimdienst gegen die Sowjetunion tĂ€tig zu sein. 46.317 Personen aus diesem Kreis wurden verurteilt, 30.992 davon erschossen.
Lettische Operation: Die Lettische Operation, angeordnet im NKWD-Rundschreiben Nr. 49990 vom 30. November 1937, fĂŒhrte zur Verhaftung von 22.360 Personen lettischer Abstammung, von denen 16.573 erschossen wurden.cite-ref-12[12]
Als letzter âVolksfeindâ in der Geschichte der Sowjetunion wurde Lawrenti Beria, ab 1938 Chef des NKWD, am 26. Juni 1953 verhaftet und ein halbes Jahr spĂ€ter am 23. Dezember erschossen.
Bewertung
In seiner Geheimrede Ăber den Personenkult und seine Folgen im Anschluss an den XX. Parteitag der KPdSU 1956 bezeichnete Chruschtschow entgegen den historischen Fakten Stalin als den ausschlieĂlichen Urheber des Begriffs âVolksfeindâ.cite-ref-13[13] In der âBibelâ des Stalinismus Kurzer Lehrgang der Geschichte der KPdSU (B), welche nach den Vorgaben und unter Mitwirkung Stalins verfasst wurde, heiĂt es beispielsweise:
âDie Sowjetmacht straft mit fester Hand diesen Abschaum [Trotzkisten, Sinowjewleute] der Menschheit und rechnet schonungslos mit ihm ab, als mit Feinden des Volkes und VerrĂ€tern der Heimat.â
â
Geschichte der KPdSU (B) â Kurzer Lehrgang
In der Prawda und der gesamten gelenkten Sowjetpresse wurde diese ideologische Leerformel jahrzehntelang variantenreich verbreitet, so dass der Begriff âVolksfeindâ ein Teil des Wortschatzes des âHomo sovieticusâ wurde.
WĂ€hrend des Kalten Krieges verurteilte das antikommunistische Manifest des Kongresses fĂŒr kulturelle Freiheit im Juni 1950 in West-Berlin Tendenzen âin totalitĂ€ren Staatenâ, Abweichler als âVolksfeindeâ oder âsozial unzuverlĂ€ssige Elementeâ zu verfolgen und zu verurteilen.cite-ref-15[15]
Deutsches Reich
Im Nationalsozialismus wurde der Begriff âVolksfeindâ ebenfalls zur rechtlichen Verfolgung und Bestrafung verschiedener Teile der Gesellschaft verwendet. Im Mittelpunkt dieser Verfolgungen standen Juden und Zigeuner.cite-ref-16[16] Als âVolksfeindeâ galten ferner politische Gegner der NSDAP wie Kommunisten und Sozialdemokraten. Ebenso konnten auch Homosexuelle als âVolksfeindeâ verfolgt und bestraft werden.
Russische Föderation
Swetlana Alexijewitsch erklĂ€rte 2014 nach der Krim-Annexion: âDas stalinistische Vokabular ist vollstĂ€ndig wiederhergestelltâ und beschrieb, wie jedermann, der nicht jubelte, als Volksfeind galt.cite-ref-17[17] Natalia Gromowa verglich die Verhafteten der 1930er-Jahre mit vom Staat beobachteten Facebook-Profilen der heutigen Zeit, wenn sie ĂŒber âdas Ăblicheâ hinausgingen.cite-ref-18[18] Wer ĂŒber den Westen nur schon reden wolle, gelte als Volksfeind, so Jelle Brandt Corstius im Jahr 2015.cite-ref-19[19] PrĂ€sident Wladimir Putin hatte schon in seiner ersten Botschaft an das Parlament im Jahr 2000 mitgeteilt, dass privat finanzierte Medien den dringenden Aufbau eines starken Staates behinderten und somit eigentliche âStaatsfeindeâ seien.cite-ref-20[20] Der Hass, den die russische Propaganda mit ihrer Benennung von Volksfeinden generierte, wurde auch innerhalb Russlands kritisiert.
Begriffsverwendung in der Kunst
âą Besonders bekannt ist der Begriff durch die Verwendung in Henrik Ibsens TheaterstĂŒck Ein Volksfeind.
âą Der Film Ein Volksfeind ist eine Adaption und VerfĂ€lschung des TheaterstĂŒcks Ein Volksfeind von Henrik Ibsen im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie.
âą Von Danzig Baldajew stammt eine Serie von Zeichnungen, die die Folter und Hinrichtung von âVolksfeindenâ darstellen.cite-ref-21[21]cite-ref-22[22]
Sprachgebrauch in den USA
Im Englischen hat der Begriff public enemy (âFeind der Ăffentlichkeitâ) hingegen eine etwas andere Bedeutung. UrsprĂŒnglich nur im Sinne von Staatsfeind fĂŒr Schwerkriminelle (Gangster) verwendet, die eine Gefahr fĂŒr die öffentliche Ordnung darstellen, ist er selbst in der McCarthy-Ăra nicht als Benennung fĂŒr dessen politische Gegner nachweisbar. Donald Trump, der frĂŒhere PrĂ€sident der Vereinigten Staaten, gebrauchte den Begriff enemy of the people hingegen mehrfach zur Charakterisierung von Journalisten und Medien, von denen er sich aus seiner Sicht zu kritisch hinterfragt fĂŒhlte.cite-ref-23[23]
Einzelpersonen
Jugoslawien
Im kommunistischen Jugoslawien wurde im Jahr 1958 nach dem plötzlichen Tod des serbisch-orthodoxen Patriarchen Vikentije (1890â1958) eine Kampagne zur Wahl seines Nachfolgers durchgefĂŒhrt, bei der drei Kandidaten aufgestellt wurden. Wunschkandidat des Staates war Bischof German (1899â1991, bĂŒrgerlicher Name Hranislav ÄoriÄ), der schlieĂlich die Wahl zum Patriarchen auch gewann. Ein Gegenkandidat, Bischof Hrizostom, wurde im Laufe der Kampagne als âVolksfeindâ und Freund Justin PopoviÄs bezeichnet.cite-ref-24[24]
Albanien
Enver Hoxha, jahrzehntelang der Diktator Albaniens, erklĂ€rte im Rahmen einer âSĂ€uberungsaktionâ seinen MinisterprĂ€sidenten Mehmet Shehu zum Volksfeind und Agenten mehrerer Geheimdienste. Vinçenc Prennushi, katholischer Erzbischof von DurrĂ«s, wurde 1947 durch albanische Kommunisten verhaftet, gefoltert und als Volksfeind zu zwanzig Jahren GefĂ€ngnis und Zwangsarbeit verurteilt. GeschwĂ€cht durch Folter und Haft starb er 1949 im GefĂ€ngnis.
Nordkorea
Jang Song-thaek war ein hoher nordkoreanischer Politiker. Anfang Dezember 2013 wurde er von seinem Neffen, dem regierenden Diktator Kim Jong-un, abgesetzt. In der Folge wurden Jang staatsfeindliche Akte, Korruption und Drogenmissbrauch zur Last gelegt.cite-ref-25[25] Im Koreanischen Zentralfernsehen wurde gezeigt, wie er wĂ€hrend einer Sitzung des PolitbĂŒros festgenommen wurde. Nach Angaben der nordkoreanischen Medien wurde Jang aus allen Ămtern entfernt, aus der Partei der Arbeit Koreas ausgeschlossen und am 12. Dezember 2013 hingerichtet.cite-ref-26[26]
Siehe auch
Literatur
âą Ralph Ardnassak: VĂ€terchens Misstrauen. Die Welt des Josef Stalin. Zweiter Band: Vom groĂen Sterben bis zum Krieg. Neobooks Self-Publishing, MĂŒnchen 2014, ISBN 978-3-8476-8958-4.
âą Hermann Bott: Die Volksfeind-Ideologie: Zur Kritik rechtsradikaler Propaganda. Band 18 von Schriftenreihe der Vierteljahrshefte fĂŒr Zeitgeschichte, De Gruyter 2010, ISBN 3-486-70365-X.
âą Wilhelm Kube: Volksfeind Sozialdemokratie: RĂŒstzeug im Kampfe fĂŒrs Dritte Reich. Buchdruckerei und Verlagsgesellschaft m.b.H. 1930.
Weblinks
Wiktionary: Volksfeind
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
âą Dekret des Rates der Volkskommissare von der Verhaftung der FĂŒhrer des BĂŒrgerkrieges gegen die Revolution, 28. November (11. Dezember) 1917. In: 100(0) SchlĂŒsseldokumente zur russischen und sowjetischen Geschichte. Abgerufen am 12. Januar 2016.
âą Beschluss des PolitbĂŒros vom 15. und 17. November 1938. In: 100(0) SchlĂŒsseldokumente zur russischen und sowjetischen Geschichte. Abgerufen am 12. Januar 2016.
âą Volksfeinde erbarmungslos vernichten! Zeitungsartikel im âKrasnojarsker Arbeiterâ, 9. September 1937. In: Website von Memorial/Krasnojarsk. Abgerufen am 12. Januar 2016.
âą Verfolgung in der Sowjetunion â Der groĂe Volksfeind. In: taz.de. 5. MĂ€rz 2013, abgerufen am 12. Januar 2016.
Einzelnachweise
cite-note-11. â JĂŒrgen von Ungern-Sternberg: Hostis. In: Der Neue Pauly, Band 5, Stuttgart 1998, Sp. 747 f.; JĂŒrgen von Ungern-Sternberg: Untersuchungen zum spĂ€trepublikanischen Notstandsrecht, MĂŒnchen 1970, S. 8.
cite-note-22. â Siehe dazu JĂŒrgen von Ungern-Sternberg: Untersuchungen zum spĂ€trepublikanischen Notstandsrecht, MĂŒnchen 1970, S. 7â20.
cite-note-33. â Siehe dazu JĂŒrgen von Ungern-Sternberg: Untersuchungen zum spĂ€trepublikanischen Notstandsrecht, MĂŒnchen 1970, S. 63â67.
cite-note-44. â Siehe dazu JĂŒrgen von Ungern-Sternberg: Untersuchungen zum spĂ€trepublikanischen Notstandsrecht, MĂŒnchen 1970, S. 74â78.
cite-note-55. â Eine Liste der republikanischen hostis-ErklĂ€rungen bietet JĂŒrgen von Ungern-Sternberg: Untersuchungen zum spĂ€trepublikanischen Notstandsrecht, MĂŒnchen 1970, S. 116 f. Anm. 153.
cite-note-66. â Friedrich Vittinghoff: Der Staatsfeind in der römischen Kaiserzeit, Berlin 1936, S. 87â89, 91â105.
cite-note-77. â Der Spiegel, 26. Januar 2010
cite-note-88. â Dekret des Rates der Volkskommissare vom 28. November (11. Dezember) 1917
cite-note-99. â Memorial Krasnojarsk: âDer GroĂe Terrorâ: 1937â1938. Kurz-Chronik
cite-note-1010. â Ralph Ardnassak: VĂ€terchens Misstrauen. Die Welt des Josef Stalin
cite-note-1111. â Zur Rhetorik einer allgegenwĂ€rtigen Verschwörung siehe GĂĄbor T. Rittersporn: The Omnipresent Conspiracy: On Soviet Imagery of Politics and Social Relations in the 1930s. In: Nick Lampert and GĂĄbor T. Rittersporn (Hrsg.): Stalinism. Its nature and aftermath. Essays in honor of Moshe Lewin. M.E. Sharpe, Armonk, N.Y. 1992, ISBN 0-87332-876-0, S. 101â120.
cite-note-1212. â Ralph Ardnassak: VĂ€terchens Misstrauen. Die Welt des Josef Stalin
cite-note-1313. â Martin Hoffmann, Florian Osburg, Horst SchĂŒtzler: Aufstieg und Zerfall einer Weltmacht. Die Sowjetunion von 1917 bis 1991. Bamberg 1999 [1994], S. 105; Vgl. auch Deutsche Ăbersetzung von Chruschtschows Geheimrede
cite-note-141. Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (Bolschewiki) â Kuzer Lehrgang, Dietz Verlag, Berlin 1951, S. 411.
cite-note-1515. â Manifest des Kongresses fĂŒr kulturelle Freiheit, Berlin, 26. â 30. Juni 1950
cite-note-1616. â Vgl. etwa Peter Longerich: âDavon haben wir nichts gewusst!â. Die Deutschen und die Judenverfolgung 1933â1945. Online-Ressource, MĂŒnchen 2009 (dort das markierte Zitat).
cite-note-1717. â Wer nicht jubelt, ist ein Volksfeind, FAZ, 15. April 2014
cite-note-1818. â Die Literaturhistorikerin Natalia Gromova: "Die Agentur ist der Nerv des Systems", Nowaja Gaseta, 24. April 2018
cite-note-2020. â Margareta Mommsen, Angelika Nussberger: Das System Putin: gelenkte Demokratie und politische Justiz in Russland. Beck, MĂŒnchen 2007, ISBN 978-3-406-54790-4, S. 47, rezipiert durch Roger Blum, Lautsprecher und Widersprecher: Ein Ansatz zum Vergleich der Mediensysteme. Herbert von Halem, 2014, ISBN 978-3-86962-152-4, S. 128, sowie durch Jerzy MaÄkĂłw (Hrsg.), Autoritarismus in Mittel- und Osteuropa. Springer, Heidelberg 2010, ISBN 978-3-531-91615-6, S. 248 und Johannes Schuhmann in: Governance-Strukturen in der regionalen Umweltpolitik Russlands: Verhandlungen zwischen Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Springer, Heidelberg 2012, ISBN 978-3-531-19560-5, S. 60.
cite-note-2121. â GULag-Zeichnungen. Hrsg. Hans-Peter Böffgen, Thees Klahn und Andrzej Klant. Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-86150-001-9.
cite-note-2222. â Abb. auch im Anhang von: I. W. Dobrowolski (Hrsg.): Schwarzbuch GULAG. Die sowjetischen Konzentrationslager. Leopold Stocker Verlag, Graz 2002, ISBN 3-7020-0975-2, S. 300â312.
cite-note-2323. â The Trump Administrationâs War On The Press. In: MediaMatters. 18. Mai 2017.
cite-note-2424. â Klaus Buchenau: Orthodoxie und Katholizismus in Jugoslawien 1945â1991. Otto Harrassowitz Verlag, 2004
cite-note-2525. â Hinrichtung in Nordkorea â Kims Werk, Lenins Beitrag. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. Dezember 2013
cite-note-2626. â Entmachteter Spitzenkader Chang: Nordkorea demĂŒtigt Kims Onkel. Spiegel Online, 9. Dezember 2013; Fernsehen in Nordkorea zeigt Festnahme von Kims Onkel SĂŒddeutsche Zeitung, 9. Dezember 2013